Über mein Leben im Internet – anlässlich des Mauerfalls vor 20 Jahren.
Seit ein paar Jahren assistiere ich der Geschäftswelt bei Verkäufen über das Internet. Eine Wachstumsbranche, zweifellos. Man erkennt es schon daran, dass sie Leute wie mich nehmen. Denn seien wir ehrlich: Ich bin alt, faul, nicht mal besonders attraktiv, nichts gelernt und von nichts 'ne Ahnung. Das muss ich alles mit Intelligenz ausgleichen. Der Mangel an intelligenten Menschen scheint groß zu sein in diesem Land, dass sie mich genommen haben.
Bei Verkäufen über das Internet gibt es verschiedene Geschäftsmodelle: Das Empfehlungs-Marketing, die Buchungs-Portale oder Preisvergleicher und noch einige andere... über Suchmaschinen, Bannerwerbung... man kann mit all dem Geld verdienen, wenn man weiß, wie es geht.
Vermittelt wird ein Großteil dieser Geschäfte über die Firma, bei der ich beschäftigt bin. Als Sheriff oder Schiedsrichter für die mittelgroßen Fälle.
Das wäre vor 20 Jahren gar nicht denkbar gewesen. Computer gab es schon, ja. Auch eine Datenübertragung zwischen Großrechnern gab es schon, zu Forschungszwecken oder militärisch genutzt. Aber ein Internet? Über das man einen Blumenstrauß bestellt oder Lotto spielt? Das konnte man sich nicht vorstellen.
Dabei war das Internet schon da. Aber es war noch nicht freigelassen. Dann hat man einen Fehler gemacht, sagen die Staats- und Datenschützer, man hat das Biest auf die Welt losgelassen, die Schleusen geöffnet... es gab kein Halten mehr.
Das Internet ist wie die Borg. „Widerstand ist zwecklos.“, das war der Wahlspruch dieser außerirdischen Bösewichte, die bei Raumschiff Enterprise die bösesten Schurken spielten. Alles wird assimiliert. So macht es das Internet: Das Fernsehen zum Beispiel: Geht über Internet. Das Radio. Telefonieren: über das Internet. Briefe schreiben sowieso. Einkaufen, Filme gucken, alles. Und es weiß viel mehr als wir je wissen könnten. Und jeden Tag wird es mehr.
Unsere Krankenakten, unsere Fotos und Filme, unsere Erinnerungen – es wird alles assimiliert. Sogar unser Geschnatter: Übers Internet.
Von all dem ahnte man vor 20 Jahren noch nichts. Dass die Mauer gefallen war, das sah man an den leeren Fischstäbchenpackungen vor den Supermärkten und den Schlangen vor Aldi und der Sparkasse. Gab es damals schon Bank-Automaten? Da wären die Ossis ja nicht ran gekommen. - Ich glaube ja. Ich hab, soweit ich mich erinnere, nicht mit denen in der Schlange stehen müssen. Weil ich weder Geld noch Konto hatte. „Radeberger“, dass das hier das „gute“ Aldi-Bier war, da waren die Ostler schockiert. Da hab ich's zum ersten Mal gespürt: Der Ossi ist beleidigt. Soll denn alles verkehrt gewesen sein, ist es denn gar nichts wert, was „wir“ geschafft haben, wollt ihr alles „abwickeln“... Die allgemeine Ansicht war damals, das der Ossi „an sich“ uns 5-15 Jahren hinterher ist. Und dazu noch beleidigt, beschränkt, zurückgeblieben…
Die konnten sich also, um einmal im Bild zu bleiben, das Internet noch weniger vorstellen wie wir. Teilweise haben die Menschen aus dem Osten ja rasend schnell aufgeholt, das muss man sagen, uns teilweise sogar überholt (um einmal anlässlich des Mauerfalls etwas Schleimiges zu sagen)… Aber das ganze Internet? Davon wussten sie auch nichts.
Jetzt habe ich 103 Freunde. Nur durch das Internet. Einige hab ich schon gesehen und gesprochen – aber einige: Nur über das Internet. Vor 20 Jahren fiel die Mauer. Ich hatte wesentlich weniger Freunde. Es geht also – alles in allem – in die richtige Richtung. Und wenn ein Fremder ein Freund ist, den man noch nicht kennt, wie der Ire angeblich sagt, dann sind die Möglichkeiten unbegrenzt.
Meine 103 Freunde nämlich haben wiederum Freunde und so bin ich – mit dem Kollektiv verbunden. In 20 Jahren wird man lächeln über unsere tapsigen Anfänge, uns mit dem Kollektiv zu verbinden, über twitter und facebook. Aber irgendwie muss man ja anfangen. Und ich will es auch einmal versuchen: Gleich am Montag nach der Show poste ich diesen Text als Status-Update und wenn die Freunde kommentieren, dann sehen auch die Freunde meiner Freunde meinen Beitrag; und wer weiß: Vielleicht gibt es eine Repost?, vielleicht hab ich nächste Woche schon 200 Freunde? Im Internet ist nichts unmöglich.
Ich bin Borg.
Widerstand ist zwecklos.
Ihr werdet assimiliert.
BusinessLunch09
business lunch in affiliate marketing
02 November 2009
05 September 2009
Baustelle Wochenende
Links to this post
Labels:
Alice,
Baustelle,
Besuch,
Elbe-Elster,
SEO-Contest,
Tapetenwechsel,
Thomas,
Vanessa Hessler
Thomas kommt zu Besuch. Ankunft laut Email 13:20 Uhr. Sein Handy ist abgeschaltet. Auch nach einer Stunde kein Signal von ihm. Fange an, mir Sorgen zu machen. Hat ers vermurkst? Liegt das in der Familie? Der Besuch des Bruders bietet ja immer auch eine einmalige Gelegenheit in den eigenen Gen-Pool hineinzuschauen. Sozusagen.
Nein, nach 1,5 Std. meldet er sich doch, unter einer fremden Rufnummer, man darf nicht vergessen, die abzuspeichern. Ja, sagt er, er stehe jetzt am Bahnhof Friedrichstraße und er habe einen Koffer dabei, ob man ihn nicht doch abholen könne. Vom Bahnhof Karlshorst kann ich ihn abholen, sag ich, bis dahin muss er mit der S-Bahn fahren. "Aber...", er habe einen Koffer dabei, wagt er noch einen Versuch... Nein.
Dass dies nicht nur aus Egoismus geschah und um den jüngeren Bruder zu erziehen erhellt sich aus der Beschreibung der Lebensumstände
Wir haben keine Heizung und keinen Herd. Und keine Fenster. Und können zu viert nur zwei kleine Zimmerchen nutzen. Seit Wochen. Jetzt wird es kalt. Wir leben auf einer Baustelle. Um sieben fangen die Handwerker an. Sie sind um halb fünf aus dem Landkreis Elbe-Elster losgefahren. Ca. 19:00 werden sie Feierabend haben. Das nennt man im Landkreis Elbe-Elster wohl einen guten Arbeitsplatz. Möchte wissen, wie viel so ein Bauarbeiter verdient. An diese Leute sollte man doch auch mal denken, schließlich ist Bundestagswahlkampf. Wen die wohl wählen? Sicher nicht die Piraten!
An diesen dürren Worten erkennt man bereits: Wir machen einen Tapetenwechsel. Wir bauen um und an. Wir haben zwei Kinder, die sollen jeder ein eigenes Zimmer bekommen. Hochtrabende Pläne, ich weiß.
An diesem Wochenende müssen die Tapeten im Flur runter. Montag wollen die Bauarbeiter da weiter machen. Das kann ich also nur am Samstag. Sonntag bin ich ja hier. Jetzt will Thomas vom Bahnhof abgeholt werden. "Ruf wieder an, wenn du in Karlshorst bist."
Zusammensetzung Er hat Kuchen und Schokolade mitgebracht und gute Laune. Die Kinder mögen ihn. Er ist mir sehr ähnlich. Noch schüchterner. Noch alberner. Dicker :-) Nachher fahren wir auf den Fernsehturm und trinken einen heißen Kakao.
Jetzt sitzt er hier im Publikum und weil wir noch nicht dazu gekommen sind, erkläre ich die mal einen Teil meines Lebens. "Oh, ja", wird Thomas sagen und sich freuen (hoffe ich).
Für dich also: Die kleine Anekdote aus dem Arbeitsleben: Vanessa und ich - oder: Wie ich einmal fast Ärger mit Ghaddafi bekommen hätte
Nein, nach 1,5 Std. meldet er sich doch, unter einer fremden Rufnummer, man darf nicht vergessen, die abzuspeichern. Ja, sagt er, er stehe jetzt am Bahnhof Friedrichstraße und er habe einen Koffer dabei, ob man ihn nicht doch abholen könne. Vom Bahnhof Karlshorst kann ich ihn abholen, sag ich, bis dahin muss er mit der S-Bahn fahren. "Aber...", er habe einen Koffer dabei, wagt er noch einen Versuch... Nein.
Dass dies nicht nur aus Egoismus geschah und um den jüngeren Bruder zu erziehen erhellt sich aus der Beschreibung der Lebensumstände
Wir haben keine Heizung und keinen Herd. Und keine Fenster. Und können zu viert nur zwei kleine Zimmerchen nutzen. Seit Wochen. Jetzt wird es kalt. Wir leben auf einer Baustelle. Um sieben fangen die Handwerker an. Sie sind um halb fünf aus dem Landkreis Elbe-Elster losgefahren. Ca. 19:00 werden sie Feierabend haben. Das nennt man im Landkreis Elbe-Elster wohl einen guten Arbeitsplatz. Möchte wissen, wie viel so ein Bauarbeiter verdient. An diese Leute sollte man doch auch mal denken, schließlich ist Bundestagswahlkampf. Wen die wohl wählen? Sicher nicht die Piraten!
An diesen dürren Worten erkennt man bereits: Wir machen einen Tapetenwechsel. Wir bauen um und an. Wir haben zwei Kinder, die sollen jeder ein eigenes Zimmer bekommen. Hochtrabende Pläne, ich weiß.
An diesem Wochenende müssen die Tapeten im Flur runter. Montag wollen die Bauarbeiter da weiter machen. Das kann ich also nur am Samstag. Sonntag bin ich ja hier. Jetzt will Thomas vom Bahnhof abgeholt werden. "Ruf wieder an, wenn du in Karlshorst bist."
Zusammensetzung Er hat Kuchen und Schokolade mitgebracht und gute Laune. Die Kinder mögen ihn. Er ist mir sehr ähnlich. Noch schüchterner. Noch alberner. Dicker :-) Nachher fahren wir auf den Fernsehturm und trinken einen heißen Kakao.
Jetzt sitzt er hier im Publikum und weil wir noch nicht dazu gekommen sind, erkläre ich die mal einen Teil meines Lebens. "Oh, ja", wird Thomas sagen und sich freuen (hoffe ich).
Für dich also: Die kleine Anekdote aus dem Arbeitsleben: Vanessa und ich - oder: Wie ich einmal fast Ärger mit Ghaddafi bekommen hätte
Also: Hinterher kann man ja immer die Zeichen sehen, die es vorher schon gegeben hat. Im Sales waren alle schon Tage vorher ganz aufgeregt wegen dieses SEO-Contests. Wenn du nicht weißt, was ein SEO-Contest ist, das is schwer zu erklären... Contest ist das Wort für Wettbewerb, und SEO ist was im Internet. Mit Google. Da gehts um Verkaufen.
Den Hauptgewinn in diesem Wettbewerb, den gab es am Freitag in der Firma. Und da... "Sie" würde da sein. Unter einem Dach mit "Ihr". Vielleicht wird sie sogar an unserem Schreibtisch vorbei gehen. Vielleicht ein Blick von "Ihr". Ein größeres Ereignis als die Rede von Guido Westerwelle bei dieser anderen Preisverleihung. "Sie" würde da sein. Ein immer noch ungläubiges Raunen ging durch die Firma.
Aber es wurde wahr. Die Limousine fuhr vor. Fünf, sechs Personen stiegen aus, "Sie" fast versteckt in der Mitte. Eine von der Agentur, einer vom Auftraggeber, ein Fotograf, Makeup und Kostüm. Sie verschwinden sofort wieder, jetzt wird "Sie" hergerichtet.
Nach einer halben Stunde erscheint "Sie" wieder: Alice. Alice DSL. - In Wahrheit heißt sie Vanessa und kommt aus Italien. Und man kann im Und ist eigentlich Schauspielerin. Und sieht genau so aus. Und lächelt strahlend. Und man sieht ihr an, dass sie auch so meint. Nicht nur die Männer sind wie geblendet von ihrer Schönheit. Obwohl: Ist sie nicht sehr mager? Auf Fotos sieht sie toll aus.
Und das war auch der erste Preis. Ein Foto mit Vanessa. Die SEO-Contest-Preisträger, nur junge Männer, waren glücklich, sogen die Momente ein, ein Foto mit Vanessa und eine Urkunde. Ein schöner Tag, ein Gläschen Sekt, so schmeckt Erfolg.
Einigen wenigen besonders frechen Mitarbeitern gelang es, sich auch mit Vanessa fotografieren zu lassen...
... aber sehen Sie selbst! (Das Foto sehen Sie aus urheberrechtlichen Gründen nur im Frühschoppen.)
28 August 2009
All you can eat
In der Universal Kantine. Der Event-Manager hat sich verkalkuliert. Es sind ein paar hundert Portionen Catering-Essen übrig. "All you can eat" für 5 Euro. Mitarbeiter die Hälfte.
18 August 2009
22 Juli 2009
Benno
Links to this post
Labels:
Benno,
Bierkästen,
Lederportemonnaie,
Marketing,
Wette
"Boah, das wird aber auch heiß, so'n Lederportemonnaie in der Sonne." Benno steckt sein Portemonnaie in die Hosentasche. BusinessLunch: Wir saßen auf der Terrasse, kein Sonnenschirm, den wollten wir auch nicht, vier wilde und verwegene Kerle. Und das Portemonnaie auf dem Tisch. Da, wo andere Leute ihr SmartPhone haben. Benno, der Kollege aus dem Marketing ist ein scharfer Beobachter. Es ist sein Beruf und wohl auch seine Leidenschaft, mit gespitzten Öhrchen dem Zahn der Zeit zu lauschen.
Benno wollte mir ein paar leere Bierkästen zukommen lassen, die er von der letzten Party übrig hat.
"Wo kann man das denn abgeben?", frag ich, "Was is' denn das für'n Bier" - "Oh, 'n ganz Normales, das kann man überall..." Er zeigt mir die Kästen. Benno - aus dem Marketing - hat keine Schwierigkeiten mich auch angesichts offenkundig anderer Tatsachen anzulügen. Das Bier ist natürlich ein Marketing-Bier, ein trendiges, das man eben nicht überall abgeben kann. "... bei Getränke Hoffmann abgeben."
Zu Getränke Hoffmann! Während mein Haus umgebaut wird, während ich auf der Baustelle lebe, während das Dach abgedeckt ist und der Strom abgestellt. Da hat man doch für so was keine Zeit.
Benno aus dem Marketing hat einen guten Sinn für Timing.
Dreimal schon hab ich die Kisten nicht mitgenommen nach Feierabend. Das ist doch nun wirklich kein aufwand. Das ganze entwickelt sich zu einem Drama. Wenn ich's nicht nötig hab', brauch ich's nur zu sagen, sagt Benno und hat damit natürlich vollkommen recht. Aber ich schieb's auf, ein Charakterfehler, an dem ich arbeiten muss.
Am dritten Tag baut Benno sich vor mir auf und verkündet, er werde - bis diese Affäre ausgestanden sei - mich nur noch "Herr Hans" nennen. Wir versuchen also, uns zu siezen, was in der Firma nicht ganz einfach ist.
Das Ganze eskaliert wegen der Rivalität, zwischen mir und Benno, wegen dieser Wette... So viel kann ich sagen: Es geht um 10 €. Ende August wird abgerechnet.
Ihr könnt mir alle helfen.
Doch davon ein andermal mehr.
Abonnieren
Posts (Atom)
